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Bericht: 19.07.2018 Die Donnerstagswanderer (9.30 Uhr) wanderten bei Bingen und auf dem Rheinburgensteig

Wie in jedem Jahr mindestens einmal wandern die 9.30 Uhr- Donnerstags-Wanderer nicht im Taunus oder Vogelsberg, sondern es wird ein Bus engagiert, der alle zu einer Tagestour zu einem außerhalb gelegenen Ziel  bringt.
Diesmal lag dies linksrheinisch oberhalb von Bingen und entlang des Rheins auf dem Rheinburgen-Steig.

Unser Fahrer „Hensel“ steuerte uns 48  geschwätzige Wanderer (wir hatten uns schon seit dem letzten Donnerstag nicht mehr gesehen) mit seinem Bus nach Bingen-Weiler an den Waldrand. Auf der Fahrt noch sahen wir kurz auf der gegenüber liegenden Rheinseite Rüdesheim, das Kloster Hildegardis und das Niederwalddenkmal.

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Mit viel Elan ging es hinter Wanderführer Hubertus auf dem erst breiteren Burgensteig den Berg hinauf durch den herrlichen Bingener Stadtwald bei 31-32°C (in der Sonne). Später wurde der Steig sehr schmal, rechts zum Rhein fiel der Wald steil bergab und ab und zu hatten wir einen kurzen Durchblick nach unten auf den Rhein.
Oben kamen wir auf eine große Lichtung mit dem 1. Weltkulturerbe. Gudrun erklärte uns die Bedeutung der „Villa Rustica“ und ihren vielen z.T. noch nicht ausgegrabenen Nebengebäuden. Die Ruinen eines römischen Gutshofes stehen hier seit 200-400 n.Chr. Dieser versorgte die Umgebung mit Nahrungsmitteln und bewirtete die durchziehenden römischen Besatzungen.
Dann ging es endlich mal bergab zur mit Spannung erwarteten Hängebrücke. Hätten die bösen Buben nicht so geschaukelt und gewackelt, wäre sie ein Genuss gewesen. So gab es spitze Schreie und einige Wirbel und Knochen, die das nicht so schnell vergaßen.

Allmählich wurde der Durst auf Bier (mit und ohne Spaß) und andere  kühle Getränke außer dem eigenen lauwarmen Wasser sehr groß. Dazu kam der Appetit auf unseren kleinen von Gudrun vorbestellten Imbiss. Da führte uns Hubertus schon das letzte Stück hinab zum „Forsthaus Heiligkreuz“, wo wir im Garten unter großen alten Bäumen im Schatten kurz ausruhen konnten.
Bald wurden wir wieder hochgescheucht – keiner wollte aufstehen - und mussten ohne Kaffee weiter zu den nächsten Highlights. Im auf und ab ging es zu einer Waldgalerie. Rechts und links hingen Riesen-Industrie-Fotos in den Bäumen, die uns zu einem Aussichtspunkt hoch über dem Rhein führten. Unter uns lag Assmannshausen und im Rhein sah man noch viele Fracht- und Ausflugsschiffe und Sandbänke (Wasserstand im Augenblick 2,18m!).

Dann ging es zum 2. Weltkulturerbe, dem Schweizer Haus, über dessen Geschichte uns Hubertus einen kleinen Vortrag hielt: 1840 gebaut von Eidgenossen im Auftrag Prinz Friedrich Wilhelm Ludwig von Preußen, dem die unterhalb liegende Burg Rheinstein gehörte. Es war ein Gästehaus und bewirtete auch durchziehende Reisende. Heute bewirtschaftet es der Landwirt M. Seiderer, der es liebevoll immer wieder restauriert, renoviert und erhält.  Die meisten steuerten erst einmal einen seiner Gartenstühle auf der großen Terrasse an, andere bewunderten zuerst die grandiose Aussicht auf die Rheinschleife: nach rechts Bingen mit der Rochuskapelle und im Rhein den Mäuseturm mit dem Binger Loch, nach links Blick auf Assmannshausen am gegenüber liegenden Ufer. Die ganz Schlauen entdeckten sofort den Eigentümer am Ausschank im Hof, wo er für uns Kaffee gemacht und kalte Getränke aus dem 700 Jahre alten Keller hochgeholt hatte.

Wieder wollte keiner aufstehen, aber der Zeitverzug und Hubertus Stimme trieben uns mit letzter Kraft weiter im gewohnten bergauf und bergab in die wunderschöne und kühle Morgentalklamm mit Bach.  Erst ging‘s gemächlich wieder aufwärts und dann sehr steil. Aber dann standen alle am Forsthaus Jagdhaus. Schweißnass, durstig und hungrig stürmten wir in die Gaststube und fanden die kleine Gruppe der heute nicht so Fitten wieder, die ein Stück mit dem Bus abgekürzt hatte.
Unter den Blicken von Rehköpfen, Bussarden und anderem Getier fand eine wunderbare Verwandlung statt. Viele kamen tropfnass am Kopf, Gesicht und Armen aus dem Keller, andere kamen neu gestylt und aufgehübscht mit schicken trockenen nicht stinkenden Klamotten wieder hoch und waren kaum wiederzuerkennen. Zu Riesenknödeln, Schnitzel, Russischen Eiern usw. gab es jetzt endlich die ersten Schoppen mit Bingener Wein.

Viele stiegen mit einem Alupaket mit Essen dann in den Bus. Dort saßen wir glücklich, zufrieden, sehr viel gebildeter als vorher, erfüllt von so vielen schönen Eindrücken und dankbar für diesen wundervollen einmaligen Wandertag, den Hubertus und Gudrun so toll vorbereitet hatten, mit so vielen „Tankstellen“ unterwegs und einem im Schatten liegenden Steig, sodass wir die 400 Höhenmeter und 12 km bei 32°C  gut bewältigen konnten.
 
Text: Petra ZIELKE