Sportangebot Wandern

Bericht: 05.05.2013 Sonntagswanderung "Wanderbare Hörre"

Am 5.Mai 2013, 8.00 Uhr, trafen sich 54 Wander/Innen des Skiclubs bei strahlendem Maiwetter zu einer Fahrt mit Bus zur diesjährigen ersten Sonntagswanderung.

 

Frage 1: Was ist eine/die Hörre?
Frage 2: Welche Heidi wandert nicht mit?
Frage 3: Wer führt die Wandergruppe und wohin?

Wanderführer Hubertus Meyer informierte die Gruppe dahin gehend, dass die Hörre ein ca. 18 km langer Höhenzug ist, der den Westerwald mit dem Rothaargebirge verbindet. Daher hatte niemand das Dorf Hörre in der Nähe von Dillenburg finden können...
Während seine Frau Gudrun sich darum kümmerte, dass auch alle Teilnehmer/Innnen am Abend etwas zu essen hatten, klärte sich auch gleich die 2. Frage: Skiclub-Wanderreferentin Heidi Mörler war angemeldet, hatte sich per SMS abgemeldet und wanderte doch mit – nicht sie, sondern eine andere Heidi hatte abgesagt – und das muss durch die Namensgleichheit missverstanden worden sein, woraufhin wilde Gerüchte die Runde machten.
Um die dritte Frage zu beantworten, ging es nun ab Bellersdorf über einen 12 km langen Rundweg, geführt von drei Mitgliedern der Interessengemeinschaft AG Landhege: Herrn Arnold Henrich, Mitbegründer der AG Landhege, Herrn Raimund Bender, Förster und damit für Flora und Fauna zuständig, sowie Herrn Christian Götze, der über die kulturhistorischen Gegebenheiten seiner Heimat informiert. So wurde unsere Wanderung zu einer Zeit und Erlebnisreise:
• Ein Kiefernstamm als Verdienstmöglichkeit: so wurden Kiefernbäume angeritzt, um Baumharz zu gewinnen, und das wurde u.a. zur Herstellung von Terpentin gebraucht.
• Relikt aus jüngster Vergangenheit: Spuren des einstigen Militärlagers, in dem auch Atomsprengköpfe gelagert wurden.
• Probebohrungen: so hatte man schon im Mittelalter versucht, erzhaltige, abbauwürdige Gesteinsadern zu finden. Erzabbau fand bis in die 1970-er Jahre statt. Dann stellte sich heraus, dass die Ladung eines Containerschiffes dem Jahresabbau an örtlichem Eisenerz entsprach – die Arbeit wurde unrentabel.
• Die Hörre trennt Lahn-und Dilltal: Viel Wald und Weideland, rauhes Klima und magere Äcker – eine arme Gegend. Erst im 19.Jhrdt., als der Eisenbahnverkehr begann, verbesserten sich die Lebensbedingungen; die Landwirtschaft war nicht mehr die Haupterwerbsquelle.
• Steinbrüche: Auch heute werden in den umliegenden Höhen Steine für den Straßenbau abgebaut. Dabei sollte einer der Berge völlig abgetragen werden, was durch Bürgerinitiative (unter anderem durch die AG Landhege) verhindert werden konnte.
• Die „alte Straße":Neben dem jetzigen Wanderweg führen tiefe Rillen am Waldboden entlang: Hohlwege, die im Mittelalter (und vielleicht noch früher) befahren wurden und zur „Alten Schanze" führen.
• „Alte Schanze": Umschlagplatz für Waren auf der Handelsstraße zwischen Köln und Leipzig, Zollstation auf der Grenze zum Königreich Preußen, Verteidigung in Kriegen zwischen Franzosen, Preußen und Hessen – vielleicht aber auch noch viel älter. Eine Ausgrabung würde sich lohnen, leider fehlt das Geld.
• Grenzland: Drei Länder trafen auf der Hörre zusammen: Hessen-Darmstadt, Herzogtum Nassau und Königreich Preußen. Den historischen Verlauf der Grenzen zu sichern, war und ist eine der wichtigsten Aufgaben der AG Landhege. Zuerst sorgte das „Gebück" für Abgrenzung: ein Dickicht aus schnell wachsenden Büschen und Dornenhecken sollte ein Durchkommen unmöglich machen. Da die Pflege sehr aufwändig war, wurde das Gebück schließlich durch Grenzsteine ersetzt. Der AG Landhege ist es zu verdanken, dass viele dieser Steine gefunden, gesichert und wieder an den richtigen Platz gesetzt wurden.
• Douglasien und Schlüsselblumen: Einer der regierenden Fürsten ließ auf der Alten Schanze Douglasien aus Amerika anpflanzen – die Samen dieser Bäume kommen möglicherweise nach Amerika zurück, um den dort inzwischen gefährdeten Bestand zu retten. Schlüsselblumen weisen darauf hin, wie mager der Boden immer noch ist – in der Wetterau sind sie längst verschwunden.
• Auch wenn der Weg kilometermäßig gar nicht so weit war, machte sich schließlich doch eine gewisse Müdigkeit und Hunger bemerkbar. Die 4. Frage tauchte auf: Wann und wo gibt es Mittagessen – und was? Dazu mussten wir die Straße überqueren, aber nicht einfach so, sondern unter Absicherung der Freiwilligen Feuerwehr Mittenaar-Bellersdorf! Deren Mitglieder versorgten uns auch mit einer wunderbaren Fleischkloß-Gemüsesuppe, dem Bicker-Schanzen-Eintopf. Dazu saßen wir mitten im Wald, bei der Auerhahnhütte, und freuten uns ganz besonders über das herrliche Frühlingswetter.
• Das älteste Zeitzeugnis begegnete uns jetzt auf dem Rückweg: Überreste eines 4000 Jahre alten Gräberfeldes. Wegen ihrer Grabbeigaben wurden die damals lebenden Menschen „Schnurkeramiker" genannt.
• Die „Münch-Eiche": Fast 300 Jahre alt, wurde sie einem Förster gewidmet, der sich schon zu Beginn des 20.Jhrdts wehement dafür einsetzte, die Natur zu schützen.
• Der letzte Höhepunkt unseres Weges: eine Stelle, an der seit dem Mittelalter Eisen aus dem hier geförderten Eisenerz gewonnen wurde. Schlackensteine liegen immer noch herum!
• Am Waldparkplatz, Beginn und Ende der Wanderung, wartete tatsächlich der Bus auf uns und brachte uns nach Bellersdorf zum örtlichen Gasthof. Dort muss man schon auf uns gewartet haben. In Windeseile hatten alle ihr Essen, und so konnten wir noch einmal die gute Küche der Hörre genießen.
Im Namen der Gruppe bedankte sich Hubertus Meyer herzlich bei unseren „Hörreführern" für die schöne Wanderung – dass wir wiederkommen wollten, freute sie besonders.
Gegen 19.00 Uhr startete der Bus Richtung Friedberg, wo wir gegen 20.00 Uhr wohlbehalten ankamen.
Ganz herzlichen Dank an Gudrun und Hubertus Meyer – Ihr habt uns einen wunderschönen Tag auf der Hörre ermöglicht!

Bericht: Juliane Clausen (Die Bilder zur Sonntagswanderung findet Ihr hier)